Zielgruppen in der Gastronomie verstehen: Wer sind meine zukünftigen Gäste?

Es ist wichtig, sich bereits vor der Eröffnung intensiv damit zu beschäftigen, welche Gäste und Zielgruppen das Konzept ansprechen soll. Dies gibt Ihnen ein Gefühl für Ihr Publikum und ermöglicht eine präzisere Ausarbeitung von Faktoren wie Angebot, Standort und Wettbewerb.

Wie lässt sich eine Zielgruppenanalyse für die Gastronomie durchführen? Damit beschäftigen sich die folgenden Abschnitte.

Warum eine Zielgruppenanalyse entscheidend ist

Eine detaillierte Analyse Ihrer Zielgruppe(n) ist das Fundament für alle strategischen und operativen Entscheidungen. Sie hilft dabei,

  • das Speisen- und Getränkeangebot, Preisniveau, Raumgestaltung und Serviceart (z.B. Ansprache, Selbstbedienung oder Full Service) präzise auf die Gäste und ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Beispiel: Ein gehobenes Restaurant in einem gutsituierten Vorort hat eine andere Zielgruppe als ein trendiges Innenstadtcafé. Ein kleiner Landgasthof hat eine andere Zielgruppe als eine Sportsbar in einem touristischen Viertel.
  • den Standort richtig zu bewerten: Ist die Zielgruppe definiert, lässt sich analysieren, ob ausreichend potenzielle Kunden im Einzugsbereich wohnen, arbeiten oder am Standort vorbeikommen (Frequenz).
  • den Wettbewerb vor Ort einzuschätzen und zu analysieren, ob Bedarf für bestimmte Zielgruppen besteht und welche Lücken das Konzept füllen kann.
  • Kalkulation und Preisgestaltung realistisch an Kaufkraft/Ausgabebereitschaft und Konsumpräferenzen auszurichten.
  • effektives Marketing zu betreiben: Werden Gäste und Zielgruppen besser über Social-Media-Kommunikation oder über Direktmarketing vor Ort erreicht?
    Wen möchte ich eigentlich bei mir begrüßen, welche Art von Gästen möchte ich haben – und welche vielleicht lieber nicht? Ist mein Konzept ein exklusives Abendrestaurant oder ein lässiger Ganztagesbetrieb? Habe ich eine bestimmte Zielgruppe im Blick – Studierende, Mitarbeitende umliegender Firmen, Familien oder vorwiegend Touristen? Wer sein Konzept entwickelt, sollte sich ausreichend Zeit nehmen, sich über seine zukünftigen Gäste und ihre Bedürfnisse Gedanken zu machen. 

 

Grundlagen der Zielgruppendefinition

Wie ermittelt und beschreibt man Zielgruppen? Das Marketing definiert sie anhand von vier Schlüsselmerkmalen:

  1. demografische Merkmale wie Alter, Geschlecht und Familienstand
  2. sozioökonomische Merkmale wie Ausbildung, Beruf, verfügbares Einkommen, Vermögen
  3. psychografische Merkmale wie Werte, Wünsche, Einstellungen oder Motivation
  4. sowie kaufverhaltensbezogene Merkmale

Alle vier Schlüsselmerkmale sind relevant für die Gastronomie und die Konzeptentwicklung

Demografie

Jüngere Gäste sind z.B. an „Fun-Food“, digitale Order-Tools und Kommunikation über Instagram und TikTok im Restaurant gewöhnt. Ältere Gäste bevorzugen tendenziell Service und ein klassisches Angebot. Frauen leben gesundheitsbewusster als Männer und bevorzugen entsprechend ausgerichtete Speisen auch im Restaurant. Singles und Paare haben andere Ansprüche als Familien, inklusive der Essenszeiten.

Sozioökonomie

Einkommen und Vermögen bestimmen zum Beispiel, ob Ihre Gäste eher einfache/günstige oder gehobene/hochpreisige Angebote wählen. Auch die Berufsart wirkt sich auf die Art der Speisen aus – sie reichen vom gesunden Snack am Mittag für Büroangestellte über deftige Gerichte für schwer körperlich Arbeitende bis zum Businesslunch oder -dinner für Geschäftsleute.

Psychografie

Werte, Wünsche und Motivationen beeinflussen, welche Art von Angebot als attraktiv wahrgenommen wird. Das Spektrum reicht von gesundheitsorientierter, nachhaltiger Küche bis hin zu erlebnisorientierten Konzepten in einem besonderen Restaurant-Ambiente. Beispiel Sport: Aktive Sportler bevorzugen proteinreiche Gerichte, während Sportfans unkompliziertes Pub- oder Fastfood und korrespondierende Getränke wünschen. Wichtig: Werte sind dauerhaft, Bedürfnisse und Wünsche aber situativ: Eine sportliche Person kann natürlich auch den Wunsch nach einem relaxten Abend bei Drinks mit Freunden oder in einer Gruppe haben. 

Kaufverhalten

Hier sind Besuchsfrequenz, Besuchszeit, Besuchsanlass (z.B. Lunch, Dinner, Familie), Zahlungsbereitschaft, Bestellmenge und -Art, Entscheidungsverhalten (geplant, spontan, wünscht Beratung) sowie Bestell- und Zahlungspräferenzen in der Analyse zu berücksichtigen.

Die Rolle der Sinus-Milieus bei der Zielgruppenanalyse

Eine Synthese der vorgestellten Schlüsselmerkmale sind die sogenannten Sinus-Milieus. Diese Milieus stellen sowohl die soziale Lage nach Schichten als auch die Grundorientierung von Tradition über Modernisierung bis Neuorientierung dar und leiten daraus unterschiedliche Milieu-Arten ab, die für die Zielgruppenanalyse in der Gastronomie hilfreich sein können. .

Hier geht es zu den Sinus-Milieus

Markt, Standort, Gäste: Wie man Zielgruppen in der Gastronomie analysiert

Nachdem wir uns die theoretischen Grundlagen der Zielgruppenanalyse, Schlüsselmerkmale und Milieus angeschaut haben, geht es nun in die Umsetzung. Grundsätzlich stehen Ihnen zwei Vorgehensweisen zur Verfügung:

  • A) Standortbasierte Analyse
    Steht Ihr zukünftiger Standort bereits fest, können Sie analysieren, welche Zielgruppe vor Ort tatsächlich präsent ist und welches Angebot Sie dieser bieten können. Gehen Sie mit dem Ort auf Tuchfühlung, indem Sie sich zu verschiedenen Tageszeiten dort aufhalten und das Umfeld (Büro-/Wohnviertel, Uni-Nähe, Citylage) beobachten. Bewerten Sie auf diesem Wege den Wettbewerb und beziehen Sie saisonale Faktoren ein. Hier finden Sie eine detaillierte Anleitung für die standortbezogene Analyse.
  • B) Konzeptbasierte Analyse
    Möchten Sie hingegen zuerst Zielgruppe(n) und Konzept ausarbeiten und darauf basierend einen passenden Standort suchen, schlagen wir folgende Vorgehensweise vor:
  1. Starten Sie mit dem Kern des Konzepts und stellen Sie sich selbst diese Fragen: Welcher Betriebstyp – Restaurant, Kneipe, Bar, Café usw. ist geplant? Was soll es zu essen und zu trinken geben? Welches Ambiente bieten Sie? Welche Art von Service?
  2. Erstellen Sie grobe Zielgruppen-Hypothesen: Wer soll Sie typischerweise besuchen und Ihr Angebot nutzen? Nutzen Sie hierfür die oben genannten Schlüsselmerkmale Demografie, Sozioökonomie und Psychografie.
  3. Gehen Sie detailliert auf das Kaufverhalten (Besuchsanlässe, Frequenz, Preisbereitschaft, Ernährungsweisen, Preissensibilität etc.) ein, um das Konsumverhalten der potentiellen Gäste differenziert betrachten und verschiedene Gästetypen unterscheiden zu können.

Zwei Beispiele für mögliche Gäste-Zielgruppen, die es bei der Konzeptplanung zu berücksichtigen gilt.

Erstellen von Gästepersonas

Personas sind keine Personen, sondern fiktive Charaktere, die eine Zielgruppe oder Teilzielgruppe repräsentieren. Sie sind ein nützliches Marketing-Werkzeug, um die zukünftigen Kunden, ihre Bedürfnisse und sich das daraus ableitenden Angebot konkreter zu machen – sowohl bei der standortbezogenen Analyse als auch bei der konzeptbasierten Vorgehensweise:

  • standortbezogen: Leiten Sie – am besten im Team bzw. in einer Gruppe – 5 bis 7 unterschiedliche Personas aus der Analyse ab, welches Publikum Sie vor Ort antreffen werden (Anwohner, Berufstätige, Passanten, Touristen etc.)
  • vom geplanten Kernkonzept ausgehend: Definieren Sie – ebenfalls im Team bzw. in einer Gruppe – 5 bis 7 unterschiedliche Personas, die Sie als Gäste in Ihrem Restaurant oder anderen Gastronomie-Konzept begrüßen möchten.

Personas entwickeln – einfach und strukturiert

  1. Geben Sie den Personas einen Namen und eine wesentliche Eigenschaft
    Beispiele: „Stefan, der eilige Business-Luncher“, „Familie Klein von nebenan, die Wochenend-Bruncher“, „Mary, die Single-Studentin“, „Tim, der Tourist“ usw.
  2. Verwenden Sie eine Persona-Vorlage (es gibt viele kostenlos online) oder setzen Sie selbst eine Vorlage auf, die für alle Charaktere gleich ist. 
    Sie kann beispielsweise so gegliedert sein: „Stefan, der eilige Business-Luncher“
    – Stefan ist … (Alter, Familienstand, Beruf, Einkommen, Monatsbudget für Freizeit/Gastronomie)
    – Stefan schätzt … (Werte, Bedürfnisse, Lifestyle, Hobbys, Lebensmotto usw.)
    – Stefan wünscht sich … (Pläne, Träume, Ideen)
    – Stefan isst und trinkt gerne … (Vorlieben und Präferenzen, Favoriten auf der Speisekarte etc.)
    – Stefan erreichen wir durch … (Kommunikation, Werbung, Medien etc.)
    – Stefan kommt zu uns, weil … (z.B. zügiger Service, Zahlung per Smartphone, gute Musik)
    – Stefan stört es, wenn … (es lange dauert, er nicht morgens weiß was es heute gibt etc.)
  3. Stellen Sie sich im Team gegenseitig Fragen zur jeweiligen Persona und arbeiten Sie in der Gruppe typische Werte und Präferenzen aus. 
    Schreiben Sie auf, welche Medien er nutzt, welche Gerichte und Getränke auf der Speisekarte ihn ansprechen, welche anderen Restaurants er gerne besucht und so weiter. Am Ende könnte eine Persona dieser Art entstehen: 
    „Stefan ist ein erfolgreicher Angestellter in einem IT-Unternehmen. Er schätzt Effizienz und Erfolg. Er gehört zum Milieu der Performer. Er wünscht sich, bald eine Wohnung kaufen zu können und beruflich aufzusteigen. Stefan isst zu Hause wie im Restaurant gerne gesunde und ausgewogene Mahlzeiten. Ihn erreichen wir durch gezielte Werbung in Wirtschaftsmagazinen und über berufliche Netzwerke. Stefan kommt zu uns, weil er mittags wenig Zeit hat, aber ebenso viel Wert auf schnellen und professionellen Service legt wie auf ein gesundes Essen. Ihn stört es, wenn es Unregelmäßigkeiten im Ablauf gibt.“
  4. Diese Punkte können Sie natürlich nach Belieben ergänzen – je detaillierter die Persona, desto besser. Übrigens: Auch später im laufenden Betrieb können Sie das Personal-Modell nutzen – zum Beispiel, um unterschiedliche Gästetypen voneinander abgrenzen und individuell ansprechen zu können.

Durch die Erstellung von Personas gewinnen Sie eine gute Grundlage und erste Vorstellung davon, wie Ihre zukünftigen Gäste aussehen und welches Angebot ihnen "schmeckt"!

Zielgruppenstrategien für die Gastronomie

Auch wenn 5 bis 7 unterschiedliche Personas nicht die Gesamtheit Ihrer (zukünftigen) Gäste abbilden: Sie sind ein sehr gutes Werkzeug, um individuelle Marketing-Strategien je Gästetyp und je einzelner Zielgruppe auszuarbeiten. Dadurch verschaffen Sie sich vorab einen Wettbewerbsvorteil, da Gästebedürfnisse oft zu wenig berücksichtigt werden.

Der Dreh- und Angelpunkt für den späteren Umsatz ist das Angebot. Ihre Speisekarte (und Getränkekarte) sollte die Bedürfnisse verschiedener Personas – und damit Zielgruppen – ansprechen. Beachten Sie, dass Ansprüche (z.B. Businessgäste vs. Familien, Touristen vs. Anwohner) und Bedürfnisse je Anlass (z.B. Lunch vs. Dinner) variieren. Vielfältig zu sein, ohne beliebig zu werden, ist das zentrale Ziel im Rahmen der Zielgruppen-Ausarbeitung.

Am Beispiel Altersgruppen beschrieben: Während die jüngere Persona C aus der digital aufgewachsenen „Generation Z“ souverän mit Selbstbedienung, Vorab-Bestellung oder Zahlung am Smartphone umgeht, wünscht sich die Persona D aus eine älteren Generation eine persönliche Bedienung/Beratung und möchte am liebsten bar zahlen. Die Frage: Lässt sich in Ihrem Restaurant eventuell beides abbilden, oder verzichten Sie gegebenenfalls lieber auf eine Teilzielgruppe? 

Mit unterschiedlichen Sitzgelegenheiten und Raumaufteilungen wie High-Top-Tischen und Tresenplätzen, Eckbänken, ruhigen Separées und großen Gemeinschaftstischen für Gruppen und Familien, sprechen Sie innerhalb eines Restaurants oder Cafés unterschiedliche Zielgruppen an. Ebenso durch die Wahl von Stoffen und Bezügen, Lichtsetzung oder Musik je Tageszeit können.

Beispiele für Zielgruppen-Marketing je nach Gruppe: Nachbarn lassen sich persönlich oder per Postkarte im Briefkasten ansprechen, touristische Gäste finden Ihren Betrieb über Social Media oder über Einträge in Guides und Listen. Regelmäßige Lunchgäste freuen sich vielleicht, wenn sie den aktuellen Speiseplan für Ihr Restaurant per Mail abonnieren können – auch hier sollten Sie differenziert handeln.

Von einzelnen Sonderveranstaltungen bis hin zum ganzjährigen Aktionsplan können Sie mittels Personas verschiedenartige Events oder Programmpunkte für verschiedene Zielgruppen und Altersgruppen, Vorlieben und Bedürfnisse anbieten.

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5 typische Fehler in der Zielgruppenanalyse – und wie man sie vermeidet

Zum Schluss noch einige Hinweise zu typischen Fehlern in der Analyse sowie Tipps zur Vermeidung.

  • Fehlende Eingrenzung: So wichtig Differenzierung ist – der Versuch, alle als Zielgruppe anzusprechen, führt zu Beliebigkeit und spricht letztlich niemanden an. Es ist daher sinnvoll, auch zu definieren, wen man mit seinem Konzept eher nicht anspricht.
  • Unklare Abgrenzung: Je klarer die Teilzielgruppen und Personas herausgearbeitet werden, desto präziser kann das Zielgruppenmarketing ansetzen.
  • Fokus auf Kernleistungen: Die Analyse bewertet oft nur Speisen und Getränke (Basisleistung), ignoriert aber die Leistungen (Service, Ambiente etc.), die das Erlebnis mitbestimmen und über die Kundenbindung entscheiden. Daher muss das gesamte Leistungsbündel auf die Zielgruppen hin bewertet werden.
  • Unrealistische Preisgestaltung: Kalkulation und Preisniveau sind nicht realistisch auf Kaufkraft und Ausgabebereitschaft der Zielgruppen und Kunden ausgerichtet. Umfragen und eine tiefere Konkurrenzanalyse können hier Abhilfe schaffen.
  • Der „Freunde und Familie“-Fehler: Bei der Konzeption stützt man sich zu sehr auf den eigenen Geschmack und das direkte persönliche Umfeld. Besser ist es, Standort, Umfeld und Zielgruppe objektiv zu analysieren – beispielsweise mithilfe externer, objektiver Unterstützung. Nur so stellen Sie sicher, dass Sie in Sachen Altersgruppen, Generationen, Milieu und Co. nicht voreingenommen analysieren und an den tatsächlichen Zielgruppen vorbei zielen.

FAQs zu Zielgruppen in der Gastronomie

Sie bildet das Fundament für alle strategischen und operativen Entscheidungen. Nur so können Angebot, Preisniveau, Standortbewertung und Serviceart präzise auf die Bedürfnisse der zukünftigen Gäste und Zielgruppen zugeschnitten werden.

Sie basiert auf den Merkmalen: Demografie (Alter, Geschlecht), Sozioökonomie (Einkommen, Beruf), Psychografie (Werte, Motivation) und Kaufverhalten (Frequenz, Anlass). Zusätzlich kann man sie nach Milieus einordnen.

Eine Persona ist ein fiktiver Charakter, der eine Teilzielgruppe repräsentiert. Mit ihr lassen sich Bedürfnisse und Konsummuster von Kunden besser nachvollziehen und bedienen.

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